Für die Taufe ihres Sohnes hatte sich eine Familie Psalm 36,10 ausgesucht: „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.“ In der Ansprache habe ic:
„Quelle des Lebens, damit ist im Kontext des Psalms die Weisheit gemeint, die von Gott kommt, Gottes erstes Geschöpf ist und IHM bei der Erschaffung der Welt zur Seite stand, zur Hand ging. Weisheit, das meint das Hören auf den Willen und die Regeln Gottes, wie sie in der Thora, aber dann auch in den Propheten und Schriften niedergelegt sind. Weisheit meint aber auch das, was wir heute als Naturphilosophie bzw. Naturwissenschaft bezeichnen würden, also die Erforschung der Gesetze und Regeln, nach denen die Welt funktioniert. Damit verbunden ist der uns Heutigen verloren gegangene Gedanke, dass das immer intensivere Studium der Natur und ihrer Gesetzmäßigkeiten eine spirituelle Dimension hat, letztlich – auf indirektem Wege – zur Erkenntnis Gottes führen kann.

In diese Richtung zielt auch die zweite Metapher: In deinem Lichte sehen wir das Licht. In dem, was hier indirekt von Gott wahrzunehmen ist, in der Schönheit seiner Gesetze und Regeln, in der Fülle dessen, was er erschaffen hat, können wir den Schöpfer und Erhalter und Vollender der Welt wahrnehmen. Und wenn Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt, knüpft er an diese Metaphorik an, lädt uns ein, auf ihn, sein Werk und seine Worte zu schauen, weil wir darin in besonderer Weise Gott, den Vater wahrnehmen, schauen können.“

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