Das Antlitz Christi – kaum noch erkennbar unter den abblätternden Farben der von Schmutz, Feuchtigkeit, Pilzen und anderen Einflüssen angegriffenen Holztafel.
Andererseits will das Antlitz Christi hindurchdringen durch die Überlagerungen und Zerstörungen. Durch den Dreck und die Narben der Vergänglichkeit können wir noch etwas vom Glanz des Ursprungs erkennen.
Wir erleben immer wieder, wie festgefügte Strukturen auseinanderfallen, Hoffnungen wie Seifenblasen zerplatzen und dem Leben der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Jesu Freunde erlebten das angesichts der Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung ihres Meisters. Enttäuschte Erwartungen, zerstörte Hoffnungen und die bittere Einsicht in das eigene Unvermögen, im Leiden treu sein zu können – für die Jünger brach eine Welt zusammen. Voller Furcht saßen sie hinter verschlossener Tür zusammen und starrten in die Finsternis des Todes. Und obwohl ihnen Frauen die Nachricht überbracht hatten: „Jesus lebt! Er ist auferstanden und uns begegnet!“, drang das Licht des Ostermorgens nur langsam in ihr Dunkel.
Das Antlitz Christi unter Schutt und Vergänglichkeit – aber es ist da. Christus lebt, „er ist auferstanden von den Toten“ und will mit seiner Hoffnung auch zu uns kommen in Leid, Sinnleere und Zukunftsangst.
Denn trotz allem lassen sich Spuren des Trostes und der Liebe auch in unserem Leben entdecken. Christus nimmt uns behutsam an die Hand, lässt uns Zeit, um zu entdecken: Der Glanz der Ewigkeit leuchtet unter aller Vergänglichkeit auf und die Bruchstücke unseres Lebens werden zu einem Ganzen gefügt.
Ich wünsche eine gesegnete Passionszeit und frohe Ostern.

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