In einem Brief vom 11.09.1930 an seinen jüngeren Bruder, der sich zu der Zeit bei der Verwandtschaft in Ostpreußen befand, berichtet mein Großvater, 21jährig, schlaglichtartig aus dem Wahlkampf seiner Heimatstadt Wuppertal-Barmen:
“ „Wer hat uns verraten?“ – „Die Sozialdemokraten!“ — „Wer macht uns frei?“ – „Die Kommunistische Partei!“ — „Was wählen wir?“ – „Die Liste vier!“ – „Wer hält uns für dumm?“ – „Das Zentrum!“ — „Selbst die Polizisten…“ – „wählen Kommunisten!“ So ertönt es jetzt allenthalben in den Strassen unserer Heimatstadt. Wundervoll eindressierte Sprechchöre. Am lautesten die jungen Kerle und die Frauen. Gestern sprach Genosse Thälmann. Das Gegenstück dazu: Die Nazis mit ihren Hakenkreuzen. „Jetzt kommt der Rächer, Novemberverbrecher!“ Na, ein Glück, dass Sonntag der Rummel vorbei ist.“
Liste 4 war die Kommunistische Partei. Das Ergebnis dieser Reichstagswahl kann zusammenfassend bei Wikipedia nachgelesen werden. Der „Rummel“ mag vielleicht vorbei gewesen sein, der Spuk begann damit erst.
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